Wo Lehrer lernen 
 

Forschertag für Lehrkräfte aus Grund- und Förderschulen

 

Frankfurt am Main, 29. Oktober 2011 – Sollen sich Lehrer bereits mit Erstklässlern an chemische Versuche wagen? Können Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf überhaupt forschen? Wecken spielerische naturwissenschaftliche Experimente die spätere Lust an Chemie und Physik? Ein klares Ja zum forschenden und entdeckenden Unterricht mit Schülern und viele Anregungen erhielten knapp 450 Grund- und Förderschullehrer aus ganz Hessen am heutigen Samstag beim Forschertag „Experimente hoch drei“ in der Jahrhunderthalle in Frankfurt-Höchst. Eingeladen hierzu hatten der Landesverband Hessen im Verband der Chemischen Industrie (VCI Hessen) und der Arbeitgeberverband HessenChemie, die im Internationalen Jahr der Chemie einen besonderen Beitrag zur Frühförderung in den Naturwissenschaften leisten wollten. Schirmherrin der Veranstaltung war Hessens Kultusministerin Dorothea Henzler.

„Ein früher Beginn der naturwissenschaftlichen Bildung an den Schulen ist eine wesentliche Voraussetzung für ein nachhaltiges Interesse der Schülerinnen und Schüler an diesen Fächern“, wendet sich Staatsministerin Henzler in ihren Einführungsworten an die Lehrerinnen und Lehrer. So sehe es auch der hessische Bildungs- und Erziehungsplan vor.
"Die letzten beiden Kindergartenjahre und die ersten beiden Grundschuljahre sind die beste Zeit, um Kinder an naturwissenschaftliche Bildung heranzuführen, betont Gisela Lück, Professorin für Chemiedidaktik an der Universität Bielefeld, in ihrem Impulsvortrag. Vom Zugang zur naturwissenschaftlichen Grundbildung dürfe kein Kind ausgeschlossen werden. Dies gelte vor allem für Kinder mit Behinderungen oder Kinder aus bildungsfernen Schichten, um so ihre Zukunfts- und Berufsperspektive zu verbessern."

„Wichtig ist uns die Kontinuität in der naturwissenschaftlichen Schulbildung“, erklärte Ulrich Ott, Länderpräsident Deutschland der Clariant Verwaltungsgesellschaft mbH und Vorstand des VCI Hessen, das Engagement der beiden Verbände. „Begonnen werden muss bereits in der Grundschule. Zuerst spielerisch, aber ohne Unterbrechung bis zur Mittel- beziehungsweise Oberstufe immer weiter aufbauend. Nur so können wir dem zukünftigen Fachkräftebedarf begegnen. Zudem ist ein naturwissenschaftliches Verständnis Grundlage, sich mit Technik und Innovationen auseinandersetzen zu können.“

Anregungen zur Gestaltung des naturwissenschaftlichen Unterrichts auf Grund- und Förderschulebene bot der Forschertag dann auch zuhauf. Die Pädagogen konnten sich in 15 Workshops fortbilden. Diese reichten von Blubber- und Blitzexperimenten mit Kohlenstoffdioxidgas über Bionik bis hin zu der Frage, was eigentlich aus unserem Müll wird. Mehr als 20 Organisationen boten auf einem Markt der Möglichkeiten vielfältige Mitmachstationen an und präsentierten ihre Ansätze zur Förderung der Kinder. Darüber hinaus erfuhren die Teilnehmer und Teilnehmerinnen mehr über Kooperationsmodelle zwischen Universität und Schule.

Der mit 1.000 Euro und einer Führung durch das Chemie- und Pharmaunternehmen Merck in Darmstadt dotierte „Preis für kontinuierliche Förderung und Umsetzung von Experimentalunterricht im Grundschulalltag“ der Chemieverbände und des hessischen Kultusministeriums ging an die Wingertsbergschule in Lorsch. Die Schule führt regelmäßig Themenwochen durch und bindet Kindergärten sowie 9. und 11. Klassen in Forschertage ein, so dass die Kleinen von den Großen lernen und umgekehrt.

Die Veranstalter von VCI Hessen und HessenChemie waren vom Ansturm auf die Workshops und dem Interesse am Vortragsprogramm begeistert: „Wir hatten mit 300 Teilnehmern gerechnet, tatsächlich haben sich knapp 450 Lehrerinnen und Lehrer angemeldet“, erklärte Heike Blaum, Koordinatorin des Projektes beim VCI Hessen. Beide Verbände engagieren sich seit vielen Jahren in der naturwissenschaftlichen Frühförderung und der Lehrerfortbildung.