Hohes Medien-Interesse an Chemiebranche 
Wie trifft die Wirtschaftskrise die chemische Industrie? Welche Auswirkungen hat dies auf die wirtschaftliche Entwicklung der Firmen und Hessens? Was bedeutet dies für die Arbeitsplätze? Dies waren die Fragen, die die Wirtschaftsjournalisten bewegten, die zur Frühjahrspressekonferenz des VCI Hessen nach Frankfurt gekommen waren. Von der „Frankfurter Allgemeinen“ bis zur „Hessenschau“ waren Anfang März alle wichtigen Medien des Landes im gut besetzten Konferenzraum des VCI dabei. Ihnen hatte der Vorsitzende des Landesverbands, Dr. Bernd Reckmann, wenig Optimistisches mitzuteilen.

Eine Schnellumfrage vom Februar zeichnete ein eher trübes Bild. Die hessischen Chemieunternehmen werden demnach von der Wirtschaftskrise stärker gebeutelt als die übrigen deutschen Chemiefirmen. Nachdem Auftragseingänge und Produktion im Januar weiter eingebrochen sind, sehen die Firmen die Geschäftsaussichten für das laufende Jahr überwiegend pessimistisch, berichtete Dr. Reckmann. Die Entwicklung hatte sich schon im vergangenen Jahr angedeutet. Der Chemie-Umsatz wuchs in Hessen lediglich um 0,1 Prozent auf 21,4 Milliarden Euro, während die Chemie bundesweit noch ein Plus von 1,1 Prozent verzeichnete.

Die Situation wäre noch dramatischer, hätte Hessen nicht eine starke Arzneimittelindustrie. Das Pharmageschäft stabilisiere – so Reckmann – die Chemiekonjunktur. Trotz sinkender Herstellerabgabepreise, konnten die Arzneimittelproduzenten ihre Umsätze im vergangenen Jahr um 4,8 Prozent auf 10,9 Milliarden Euro steigern. Ohne die Pharma-Industrie, auf die rund die Hälfte der Chemieproduktion entfällt, wären die Umsätze insgesamt um rund fünf Prozent gesunken. Auf den konsumnahen Sparten, wie Pharmazeutika, Wasch- und Körperpflegemittel, ruhen daher die Hoffnungen der Branche.

Die hessischen Chemie-Unternehmen, die 2008 die Zahl der Arbeitsplätze noch um 0,4 Prozent auf knapp 60.000 gesteigert hatten, setzten angesichts der Auftragsrückgänge auf flexible Arbeitszeitregelungen und Kurzarbeit, um Auslastungsschwankungen abzufedern. Allerdings werden auch freiwerdende Stellen laut der Schnellumfrage nicht mehr besetzt.

Der stellvertretende Vorsitzende des VCI Hessen, Klaus Hoffmann, betonte, dass in einer solchen Krise vorhandene strukturelle Mängel besonders deutlich zu Tage treten würden. Sie werden von den Unternehmen in hohem bürokratischem Aufwand, problematischen Umweltschutzauflagen und der Ausgrenzung bestimmter Technologien, etwa der Biotechnologie, gesehen. Hoffmann forderte daher die neue Landesregierung auf, für Planungssicherheit und stabile Rahmenbedingungen des Chemie- und Pharmastandorts Hessen zu sorgen.

Aus VCI Hessen informiert April 2009