VCI Hessen: Ohne Industrie kein Wohlstand
Wiesbaden – Die Industrie-Unternehmen in Deutschland beschäftigen rund sechs Millionen Menschen, erarbeiten 25 Prozent der Wirtschaftsleistung und repräsentieren 95 Prozent des deutschen Exports. Diese Kennzahlen sprechen offenbar nicht für sich. Dass Deutschland ein Industrieland sei, daran müssten Politiker und Öffentlichkeit, die industriepolitische Ziele oft anderen Prioritäten unterordnen, immer wieder erinnert werden, fordert Dr. Bernd Reckmann, Vorsitzender des Landesverbands Hessen im Verband der Chemischen Industrie (VCI Hessen).
Auf der Mitgliederversammlung des VCI Hessen stellte er am 8. Juli in Wiesbaden die von verschiedenen Wirtschaftsorganisationen getragene Initiative „Industrieland Deutschland“ vor. Ihr Ziel sei, Deutschland bis zum Jahr 2020 zu einem der wettbewerbsfähigsten Industriestandorte der Welt zu machen. Denn um seinen Wohlstand zu sichern, brauche Deutschland eine leistungsfähige Industrie.
Reckmann warb daher bei den hessischen Chemie-Unternehmern, diese Aktion zu unterstützen. Gerade das Superwahljahr 2009 sei dazu besonders geeignet, um den Dialog mit Politik und Öffentlichkeit zu suchen. Reckmann empfahl den Firmen, den Widerspruch zwischen den greifbaren Werten, die die Industrie in Deutschland erarbeitet und dem fehlenden Verständnis und Vertrauen, das ihr die Öffentlichkeit entgegen bringt, mit ihren Gesprächspartnern offen zu diskutieren. Nur gemeinsam ließen sich Lösungen erarbeiten, die die Zukunft der Industrie als Wachstumsmotor für Deutschland sichern könnten. Reckmann warb bei den Unternehmern dafür, den Dialog zu unterstützen.
Der VCI Hessen habe damit begonnen. Er erinnerte an die Gespräche des Verbands mit der hessischen FDP-Spitze sowie mit der Landesgruppe Hessen der SPD-Bundestagsabgeordneten. Ziel sei es, durch eine nachhaltige Kommunikation eine breite Akzeptanz für die Bedürfnisse der Industrie zu schaffen, ohne die der Wohlstand des Industrielandes Deutschland nicht gesichert werden könne.
Als besonders dringlich nannte der Vorsitzende des VCI Hessen Perspektiven in der Energiepolitik, der Forschungsförderung, beim Bürokratieabbau und in der Bildungspolitik. In der Energiepolitik vermisst er die Balance zwischen Ökologie und Ökonomie. Deutschlands Industrie, die ein Drittel der hierzulande erzeugten Energie verbrauche, sei auf eine sichere Energieversorgung zu wettbewerbsfähigen Preisen angewiesen. Eine Benachteiligung deutscher Unternehmen sieht er in der Forschungsförderung, wo konkurrierende Länder ihren Unternehmen Steuergutschriften auf die Forschungsaufwendungen gewährten, Deutschland jedoch nicht. Außerdem fehle hierzulande das Bewusstsein für eine frühe und kontinuierliche naturwissenschaftliche Bildung, woraus ein permanenter Mangel an qualifiziertem naturwissenschaftlichem Nachwuchs entstehe.
Reckmann wies auf den Widerspruch zwischen Ansehen und Akzeptanz der Industrie in der Bevölkerung hin. Das Ansehen sei hoch: Investitionen am Standort Deutschland, zum Beispiel in die Infrastruktur, in neue Fabriken oder den Kraftwerksbau, würden positiv gesehen. Die Akzeptanz aber schwinde mit zunehmender Nähe zu alten wie neuen Industrieanlagen. „Jeder möchte Industrie, auch Chemie, haben“ – so resümierte Reckmann –„jedoch nicht vor der eigenen Haustür.“
Durch die starke Betonung von Umwelt- und Verbraucherinteressen entstehe der Eindruck, dass die Industrie der Verursacher vieler Probleme sei. Dabei werde verdrängt, dass gerade die Chemie-Industrie mit ihren Produkten maßgeblich zum Klima- und Umweltschutz beitrage.