Innovationsforum Bioökonomie: Biotech als Impulsgeber 
 

Über die Nutzung biologischer Ressourcen für nachhaltige Produktionsprozesse diskutierten rund 80 Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik Anfang Juni auf dem Innovationsforum Bioökonomie in Frankfurt. Im Mittelpunkt standen die Potenziale für Umwelt, Industrie, Landwirtschaft.

Biobasierte Produkte sind aus vielen Lebensbereichen nicht mehr wegzudenken. „Nachwachsende Rohstoffe, Mikroorganismen und deren Enzyme werden immer stärker zur Herstellung biobasierter Produkte eingesetzt “, sagte Dr. Christian Patermann, Mitglied des ehrenamtlich arbeitenden Bioökonomierats, dem Beratungsgremium der Bundesregierung zur Bioökonomie. „Die Biotechnologie ist dabei ein wesentlicher Impulsgeber. Mit ihr können Produktionsprozesse effizienter gestaltet und auch der Ausstoß von Treibhausgasen reduziert werden“, so Patermann weiter.

Dr. Holger Zinke, Geschäftsführer der BRAIN AG mit Sitz im hessischen Zwingenberg und Mitglied im VCI Landesvorstand, sitzt ebenfalls im Bioökonomierat: „Wir befinden uns in einem volkswirtschaftlichen Transformationsprozess“, sagte er. Die Bioökonomie habe das Potenzial, eine neue Welle von Innovationen in Deutschland auszulösen.

In Hessen haben sich biobasierte Produkte zu einer wichtigen Basis für die Entwicklung und Herstellung von Arznei-, Lebens- und Futtermitteln sowie Energie und Chemikalien entwickelt. Die Beispiele des Forums zeigen, dass bereits heute hochaktive Pharmawirkstoffe, immer leistungsfähigere technische Enzyme und neue, innovative chemische Wert- und Wirkstoffe mithilfe biobasierter Verfahren entwickelt und produziert werden. Schonung der Umwelt, Versorgungssicherheit und Kostenreduktion sind Treiber für die Einführung innovativer Verfahren.

Dr. Christine Stiehl von der BASF sprach sich für gesetzliche Maßnahmen zur Förderung biobasierter Produkte im Rahmen der Empfehlungen der Eu Ad-hoc Advisory Group for Bio-Based Products aus. Die Wirtschaftlichkeit für die Chemiekonzerne hänge verstärkt von der Effizienz der Prozesse und der Verfügbarkeit der regenerativen Rohstoffe zu wettbewerbsfähigen Preisen ab.

Mit Blick auf den Aktionsplan der Bundesregierung zur stofflichen Nutzung nachwachsender Rohstoffe betonte Norbert Holst von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV): „Die stoffliche Nutzung nachwachsender Rohstoffe leistet einen wichtigen Beitrag zum Klima- und Umweltschutz, zur Einsparung fossiler Ressourcen und zur Stärkung ländlicher Räume.“

Hessens Biotechnologie ist mit 59 Kern-Biotech-Unternehmen für das Zeitalter der Bioökonomie gut aufgestellt. Bei der Anmeldung von Biotech-Patenten ist Hessen der führende Standort unter den Flächenländern. Dabei kommen über 83 Prozent der Patente aus der Wirtschaft, ein Beleg für die Innovationskraft und das ökonomische Potenzial des Standorts.

In der abschließenden Diskussion wurde deutlich, dass für einen nachhaltigen Ausbau der Biotechnologie und ihrer wirtschaftlichen Potentiale ein gesellschaftlicher Konsens unumgänglich ist. Viele der technischen Voraussetzungen für eine Nutzung ökologischerer Produktionsverfahren durch die Anwendungsmöglichkeiten der Biotechnologie sind bereits vorhanden. Für einen ganzheitlichen Ansatz der Bioökonomie müssen alle Erfolgsfaktoren miteinander verknüpft werden, resümierte Gregor Disson, Geschäftsführer im VCI Landesverband Hessen. Entscheidend sei eine engere Verzahnung der roten, weißen und grünen Biotechnologie.

 

 

Unter Bioökonomie versteht eine Definition der EU-Kommission alle industriellen und wirtschaftlichen Sektoren und Dienstleistungen, die biologische Ressourcen wie Pflanzen, Tiere oder Mikroorganismen produzieren, ver- und bearbeiten oder in irgendeiner Form nutzen. Dazu gehören die Land- und Forstwirtschaft, die Nahrungsmittelindustrie, die Fischerei und Aqua-Kulturen, aber auch Teile der Chemie-, Pharmazie-, Kosmetik-, Papier- und Textilindustrie sowie die Energiewirtschaft.

Das InnovationsForum Bioökonomie ist eine Initiative der Aktionslinie Hessen-Biotech der Hessen Agentur, der European Renewable Resources & Materials Association (ERRMA), des VCI Hessen, der Wirtschaftspolitischen Gesellschaft von 1947 e.V. (WiPoG) und des FIZ Frankfurter Innovationszentrum Biotechnologie.

Der BioÖkonomieRat wurde 2009 gegründet, um die Entwicklung neuer Technologien zu beschleunigen. Im November 2010 wurde ein auf sechs Jahre angelegtes Bioökonomieprogramm für rund 2,5 Milliarden Euro aufgelegt. Parallel bereitet die Europäische Union eine europäische Bioökonomie-Strategie vor, die über das Konzept der Forschung und Entwicklung hinausgehen soll (EU-Public-Private Partnership – Building the Bio-Economy by 2020).